
Als Koordinator nach Kamerun
14.000 Menschen aus Kamerun halten sich zurzeit in Deutschland auf, etwa 5.500 von ihnen sind Studenten. Mit Hilfe der Mobilitätsberatung der Frankfurter Dependance der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) kehren jährlich 50 bis 60 von ihnen nach Kamerun zurück. In dem afrikanischen Land haben sich inzwischen mehrere Rückkehrervereine gebildet, an denen auch viele deutsche Institutionen – etwa das Goethe-Institut oder die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) – Interesse haben, um leichter mit Rückkehrern in Kontakt zu kommen. Da die Vereinslandschaft aber sehr groß und undurchsichtig ist, wird es ab Januar eine Koordinierungsstelle für die Deutschland-Rückkehrer im Goetheinstitut in Kameruns Hauptstadt Yaundé geben. Vermittelt durch die ZAV, wird Ludowic Etoundi diesen Job übernehmen. Der Wirtschaftsinformatiker hat sieben Jahre in Deutschland studiert und gearbeitet. Seine Frau ist bereits über ein ZAV-Programm nach Kamerum zurückgekehrt, er selbst wird ihr Ende Dezember folgen. InterNA sprach mit Ludovic Etoundi über seine neue Aufgabe.
InterNa: Herr Etoundi, wie genau wird Ihre Arbeit in Kamerun als Koordinator für Rückkehrer und Rückkehrervereine aussehen?
Etoundi: Ich war bereits im September in Kamerun und habe eine Liste mit 80 Rückkehrern und einzelnen Vereinen zusammengestellt. Darauf gilt es, die Datenbank aufzubauen, mit deren Hilfe dann unter anderem deutsche Organisationen gezielt Infos, zum Beispiel Stellenausschreibungen, verschicken können.
InterNa: Mit welchen Schwierigkeiten werden Sie zu kämpfen haben?
Etoundi: Das Problem in Kamerun ist, dass Menschen aus den einzelnen Stämmen gerne unter sich bleiben, also auch jeder Stamm einen eigenen Verein bilden will. Meine Hauptaufgabe wird also sein, Überzeugungsarbeit zu leisten. Eine weitere Schwierigkeit: Die meisten meiner Landsleute, die in Rückkehrervereinen organisiert sind, sind älteren Jahrgangs. Also sind auch meine soft skills gefragt, denn ältere Menschen wollen mit Respekt behandelt werden.
InterNa: Und wie wollen Sie die jüngeren Rückkehrer erreichen?
Etoundi: Wir werden zahlreiche Veranstaltungen organisieren. Gleich im Januar ist die erste geplant. Und schon vom 12. bis zum 14. Dezember organisiert das Goethe-Institut Yaoundé zusammen mit dem World University Service Deutschland ein Alumni-Treffen. Eingeladen sind alle ehemaligen kamerunischen Studierenden an deutschen Hochschulen. Ich werde auch daran teilnehmen und mich schon einmal vorstellen. Und wir werden natürlich auch das Internet nutzen, dass auch bei jungen Menschen in Kamerun weit verbreitet ist.
InterNa: Wie stellen Sie sich Ihre berufliche Zukunft vor? Werden Sie in Kamerun bleiben?
Etoundi: Meine Stelle als Koordinator ist erst einmal auf zwei Jahre befristet. Aber auch danach sehe ich keine Probleme. In Kamerun gibt es viele Möglichkeiten, und als Rückkehrer-Koordinator werde ich mit vielen Menschen, auch Unternehmen, in Kontakt kommen. Da ich neben meinem Beruf als Wirtschaftsinformatiker auch Erfahrung im Consulting-Bereich habe, sehe ich erst recht keine Probleme. Wissen Sie, ich bin in Frankreich geboren, in Kamerun aufgewachsen, habe in Deutschland und Russland studiert und gearbeitet – ich fühle mich überall gut aufgehoben.